Gemischtes

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An die Dichter
Ralf Geisendörfer
 
 
Wenn dich einmal die Muse küsst,
bist du noch lang kein Dichter,
erst streift sie deine Lippen sanft-
dann schneidet sie Gesichter.
 
Ideen überfall´n uns wie Mücken,
doch eh´ man geformet das Wort,
bevor man sie greift zu erdrücken -
im selben Moment sind sie fort.
 
Es stört sie kein Zaun, kein Riegel, kein Schloss,
nichts ist so frei wie Gedanken.
Und nie wird es dein, das fliegende Ross,
nichts hält es in seine Schranken.
 
Doch bei deiner Jagd über Wiese und Flur,
beim Flug über Meer und Hügel,
da bleibt eine leuchtende, glänzende Spur
am Boden, von seinem Zügel.
 
Verfolge dies glitzernde, funkelnde Vlies
und trage sie alle zusammen,
poliere sie gut bis zum letzten Kristall,
der Muse zartküssende Flammen.
 
Nun ordne sie ein, in harmonischer Weise,
entferne die blinden und blassen,
verdichte nur frisch das erles´ne Gemisch,
dann kannst du die Zügel erfassen.
 
Dann zieht dich Pegasus hinauf -
vertrau dem treuen Schimmel,
den Sinn des Lebens zeigt er auf
und seinen Dichterhimmel.
 
Und kommst du in die heil´gen Reih´n
der Dichter, Denker, Philosophen,
dann möcht ich so gern bei dir sein…
 
(in diesem Wahn schrieb ich die Strophen)

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Der Engel
Ralf Geisendörfer
 
Seit ew´ger Zeit lieg ich schon hier,
krank, hilflos und allein,
der Blick geht sehnsuchtsvoll zur Tür,
doch niemand kommt herein.
 
Ich warte auf den Klingelton -
das ganze Haus bleibt still,
auch schellt keiner am Telefon,
der mit mir reden will.
 
Die Kinder haben keine Zeit,
die Enkel kein Verlangen,
kein Freundeskreis mehr weit und breit,
der Mann ist früh gegangen.
 
Vom Pflegedienst, die Edeltraut,
die bei mir jeden Tag
nun zweimal nach dem Rechten schaut …
- ach, wie ich Traudel mag!
 
Viel Zeit hat sie natürlich nie,
ein rechter Wirbelwind,
bringt Essen, putzt und spritzt mein Knie -
dort wo die Schmerzen sind.
 
Der Teller steht noch immer dort,
wo er zum Frühstück stand.
Heut früh war viel zu schnell sie fort,
kaum Zeit zum Reden fand.
 
Das Auge tränt, der Blick verschwimmt,
halb schlaf ich – und im Traum,
mein Geist mich an die Stelle bringt
zur Bank am alten Baum.
 
Seit ew´ger Zeit lieg ich schon hier -
es klopft – ich ruf „Herein!“
Und endlich steht sie in der Tür:
„Das - muss ein Engel sein!“

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Lieber Vater
Ralf Geisendörfer

 

Wer  weiß warum die Erd´ sich dreht ?    Woher kommt all das Leben ?
Wer  weiß wohin die Menschheit geht, wohin die Sterne streben ?
 
Warum erscheint der Mond so groß wie etwa uns´re Sonne ?
Warum ist mancher Menschen Los der Hass und nicht die Wonne ?
 
Weshalb gibt es auf dieser Welt das Gute und das Schlechte ?
Weshalb nennt sich der eine „Herr“ und nennt die andern Knechte ?
 
Das Leben ist sehr sonderbar - es stellt uns viele Fragen
und trotzdem gibt es einen Grund  der uns dies lässt ertragen.
 
Wir liegen all in Gottes Hand,  zu allem legt die Saat er,
drum beten wir, wenn wir´s erkannt  zu unser´m „Lieben Vater“.
 
 
Ich hab da auch noch einen Freund, ein Kumpel, ein Berater.
Auch wenn das heute seltsam scheint -  es ist mein leiblich Vater.
 
Auf ihn war ich schon immer stolz, ihm schenkte ich Vertrauen,
selbst in der allergrößten Not, ich konnte auf ihn bauen.
 
Wenn schwere Krankheit mich befiel, panische Angst und mehr -
und war er auch nur in der Näh` dann war´s nur halb so schwer.
 
Er ist mein Vater, ich sein Kind –  der Himmel steht uns offen -
schon deshalb „weil wir Profis sind“  erfüllt sich jedes Hoffen.
 
Wir sind ein Team, verstehen uns auf Anhieb ohne Worte -
wir sind von ganz besond´rer Art, von allerfeinster Sorte.
 
Er ist ein Mensch - er ist kein Gott !  (höchstens mein privater)
Er ist in Freude wie in Not stets mein „Lieber Vater !“
 
Ich hab es selber nie gekonnt, wollt ich auch sein  - wie er.
Dem Zeitgeist hat es nicht gefrommt,  mir  - wurde es zu schwer.
 
*
Ich will es heut ganz deutlich sagen:
( „zu“ spät – ist manchmal  ...später )
Ich bin der glücklichste der Welt -
ich hab ZWEI „Liebe Väter !“

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Der Spiegel
Ralf Geisendörfer
(meiner Schwester zum 50. Geburtstag)
 
Wenn Du in diesen Spiegel schaust,
grad aufgewacht, das Haar zerzaust,
noch halb im Schlaf und ziemlich Knülle,
dann hol erst mal die Lesebrille.
 
Was ist denn das, denkst Du beim Strecken:
„Ach ja, mein Bruder will mich necken,
stellt mir hier diesen Spiegel hin
und ich muss sehn - wie alt ich bin.
 
50 - nee - und das am Morgen,
hat der denn keine andren Sorgen?
Soll selbst in seinen Spiegel schau´n
und erst mal sein Gewicht abbau´n.
 
Ich bin noch fit, ich kann noch wacker
den Garten graben und den Acker,
Kartoffeln roden, Salat pflanzen:
- das schafft der nie - mit seinem Ranzen!
 
Schafft sich ne junge Ische an,
damit dann jeder sehen kann:
Er ist noch locker, ist noch jung…
- nur bei der Arbeit fehlt der Schwung.
 
Sitzt nur noch rum an sein´m Computer,
und bis auf schlaue Reden, tut er
sich auch schon schwer beim Treppensteigen
- dagegen kann ich mich noch zeigen!
 
Ich bin noch hübsch und flott und schlank,
bei jedem Handgriff nicht gleich krank,
jonglier´ noch locker mit drei Ziegel...
(schenkt der mir diesen blöden Spiegel)
 
Doch wenn ich mich so recht betrachte:
das Fältchen eben, als ich lachte...
Es war - das will ja gestehn -
mit vierzig - naja - auch ganz schön.“

 

 

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Zum 75. Geburtstag
Ralf Geisendörfer

 

 
Am Wasser wurdest Du geboren,
zum Wasser zog´s Dich immer hin -
von Untereisseln an der Memel -
zur Pissa ging es nach Gumbinnen.
 
Dann bist Du nach Barth gezogen -
was nicht nur am Wasser lag.
Doch an der Ostsee schönen Stränden
verbrachtest Du manch glücklich Tag.
 
Die weite Welt stets vor den Augen
bliebst Du am liebsten doch zu haus´
und zaubertest als treue Gattin
manch Kleinod und manch Gaumenschmaus.
 
Und kannst selbst heut Dich nicht entschließen,
willst nicht zieh´n auf´s trockne Land,
Du brauchst des Meeres friedlich rauschen,
den Wind, die Dünen und den Sand.
 
Du konntest immer unterscheiden
zwischen Luv und zwischen Lee,
mutig hast Dein Schiff gesteuert,
oftmals auch durch rauhe See.
 
Selbst der Wellen wildes Toben
hat Dir nie den Mut geraubt,
fest das Steuer in den Händen,
an das Gute stets geglaubt.
 
Das Wasser ist der Freund des Menschen,
das Leben ist aus ihm gebraut,
drum haben auch die schönsten Seelen
ihr Haus am Wasser stets gebaut.
 
Fünfundsiebzig wirst Du heute -
drum wünschen Dir hier alle Leute:
Gesundheit, Lebensmut und Glück,
von allem was Du willst ein Stück.
 
Wir wünschen Dir noch viele Jahre -
Glück in der Liebe - und im Spiel
und jederzeit, zu jeder Stunde
´ne handbreit Wasser unterm Kiel.

 

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Wilder Frühling

Ralf Geisendörfer ( zum April 2007 )

 

Der Frühling bricht aus allen Trieben,

ein Farbenmeer uns überfällt.

Zum Staunen ist kaum Zeit geblieben,

wie alles aus dem Boden schnellt.

 

Die Birke zeigt schon grüne Blätter,

die Kirsche quillt schon weiß hervor,

vom Teich ertönt schon Frosch-Geschmetter,

kein Vogel säumt den hellen Chor.

 

Noch leuchtet Krokus auf den Wiesen,

Narzissen noch in wilder Pracht…

und doch - schon alle Bäume sprießen:

Der Frühling kommt mit ganzer Macht.

 

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Altersweitsicht

 

Die Jagd nach der Jugend schon lange verloren,

die Hunde sind müde das Pulver ist nass.

Vergebens der Wettlauf dort vor unsren Toren,

die Haut liegt in Falten, um die Augen ganz blass.

 

Der siebente Frühling, (im wievielten Jahr?)

das ewige Leben,  (mit graugrünem Star?)

die junge Blondine, der Waschbrettbauchheld

sind Märchenfiguren aus anderer Welt.

 

Ich steh mir im Wege, das Bücken fällt schwer.

Wo ist meine Brille? - Die brauch ich heut sehr.

Verflogen die Schönheit, vergangen der Wahn:

Ach hätt´ ich nur nur mehr für den Geist getan.

 

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Gedichte

Stand: 07.01.12