Liebe

Liebesgedichte:
 

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Wahre Liebe
   Ralf Geisendörfer  (1977)
(nach der Melodie  Imagine von John Lennon)
 
Du sagst zu ihr: “Ich lieb Dich“.
Du sagst es so dahin,
doch was meinst du mit Liebe,
hast du sie je geseh´n ?
Du redest viel von Liebe,
doch -  kannst du sie versteh´n ?
 
Du kennst sie doch erst zwei Wochen,
ihren Körper, ihr Gesicht,
was auch immer du erwartest,
doch die Liebe find´st du nicht.
 
  
Glaubst du denn, sie wird glücklich,
wenn du sie nur verführst,
nur aus Angst vor den Stunden,
wo du keine Liebe spürst ?
Du sehnst dich sehr nach Liebe,
doch warten willst du nicht.
 
Einmal wirst du verstehen,
wahre Liebe die braucht Zeit.
Und erst dann wirst du es finden,
das große Glück zu zweit.

 

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Der Stein
Ralf Geisendörfer
 
 
Am Ufer hab ich ihn gefunden,
direkt am Fuß der Loreley.
Ich hob ihn auf mit spitzem Finger
und hab ihn heute noch dabei.
 
Sah aus wie ein gewöhnlich Kiesel,
war nicht zu groß und nicht zu klein,
doch konnte er, wie ich bald merkte,
auch nicht der Stein des Weisen sein.
 
Von Wind und Wellen glatt geschliffen,
es war ja auch kein Diamant,
als Souvenir ihn mitzunehmen,
besah ich ihn in meiner Hand.
 
Doch in des Albtraum`s dumpfer Grube
verfolgte mich des Nachts der Stein.
Wie ein Komet fiel er hernieder
und schlug wie ein Gebirge ein.
 
Bis in des Hades tiefste Lücke
so riss mich der verfluchte Berg,
zerfetzte mich in tausend Stücke,
vollendete sein grausig Werk.
 
Er löschte alles aus – die Seele,
die Freud, die Liebe und das Sein.
Der Angstschweiß öffnete die Augen-
erst gegen Morgen schlief ich ein.
 
Nun seh ich ihn mit and´ren Augen.
Er ist mir plötzlich so vertraut.
Er ist so kostbar wie kein and´rer
und doch bekomm´ ich Gänsehaut.
 
Es braucht viel Mut ihn loszuwerden,
den schweren, doch vertrauten Stein,
doch bringt Verlieren manchmal Freude
und Zugewinn ist oftmals Pein.
 
Ich wickle ihn in diese Zeilen,
füg´ einen lieben Gruß mit bei
und geb´ ihn Dir zu treuen Händen,
dann bin ich endlich von ihm frei.
 
Doch Vorsicht ! Komm ihm nicht zu nahe !
Am besten grabe ihn tief ein.
Er brennt wie Feuer auf der Seele
und doch ist es kein Feuerstein.
 
Ach Gott sei dank, dass ich ihn los bin,
vor Freude jubelt mir das Herz.
Nur Du allein sollst ihn behüten,
erlösen mich von seinem Schmerz.
  
Am Ufer hab ich ihn gefunden,
er lag im Wasser dort am Rhein.
Gib ihn mir bitte niemals wieder !
...war es doch meines Herzens Stein.

 

 

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Der Dornengärtner
Ralf Geisendörfer
 
Verzeih mir bitte, wenn ich quäle
Dich, mit dem Feuer meiner Seele.
Nie soll der Brand der mich verzehrt,
werden Dein Damoklesschwert.
 
Nicht zünden will ich,  nicht verbrennen
und will sie auch nicht überrennen,
die Festungsmauern die Dein Herz
gebaut aus Furcht vor Freud und Schmerz.
 
Gewähre mir Entschuldigung,
verzeih mir die Belagerung,
dass Dich mein Herz verlangend sucht -
will Dich nicht schlagen in die Flucht.
 
Will nicht Dich aus den Mauern locken
mit süßer Worte schönem Klang.
Ich will nicht Deine Burg erstürmen,
durch der Sirenen falsch Gesang.
 
Will auch nicht mit trojan`scher Tücke
und mit verschlag`ner Kriegeslist,
mich zwängen durch der Mauer Lücke
zum Kampf – wo doch kein Siegen ist.
 
Doch bitte, lass mich ruhend weilen
an Deines Herzens Festungstor.
Nicht an den Mauern will ich rühren-
ehe Du selber kommst hervor.
 
Die Rosenhecken, die uns trennen,
ich will Sie nicht in Stücke hau´ n,
ich will sie meine Freunde nennen
sie gießen und Spaliere bau´n.
 
Will selbst der Dornen scharfen Spitzen
nicht feindlich gegenübersteh`n.
Ich will sie pflegen und beschützen,
mit Gärtnerliebe wachsen sehn.

 

Und blieb ich dort auch tausend Jahre,
geduldig würd` ich warten Dein.
Ich würde nicht die Glocke schellen
und auch nicht Deinen Namen schrei`n.
 
Und sollt` ich Dir trotzdem zu nahe,
mein Warten Dir noch lästig sein.
Dann wöll`t ich mich vor Dir verstecken,
unsichtbar machen und ganz klein.
 
Doch sollten einst die Mauer schwinden
und eines Tag`s trittst Du hervor -
und sei es meine letzte Stunde -
Du wirst mich finden vor dem Tor.
 
Und ernten würd` ich all die Rosen,
mit Dir die Dornen niedermäh`n
und jeden Stein zu Staub zermahlen
und dann in Deine Augen sehn.
 
Die Liebe macht mich Dir gefangen
sie lässt mich Dir ein Sklave sein.
Verehre Dich, wie die Ikone,
auch wenn ich heimlich dabei wein`.
 
Doch liegt`s mir fern, mit meinem Munde
Dich zu bedrängen manche Stunde.
Ich will Dir nicht Charybdis sein
und auch nicht Deines Herzens Stein.
 
Hab` jeden Tag und jede Nacht
und jede Stund` an Dich gedacht.
Geplagt von Zweifeln und von Hoffen -
mein Herz - Dir bleibt es immer offen.
 
Verzeih mir bitte, wenn ich quäle
Dich, mit dem Feuer meiner Seele.
Doch war es so und  ist`s geblieben:
ich werde Dich für immer lieben.

 

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In Gottes Hand
Ralf Geisendörfer
 
Sollt´ ich sie wirklich fragen?
Mein Sehnen offenbar´n?
Was würde sie wohl sagen?
Ich werd´s wohl nie erfahr´n.
 
Wie leicht könnt´ ich zerstören,
der schönen Freundschaft Band
würd´ ich vielleicht verbrennen –
mit ungeschickter Hand.
 
Kann sein, ich bin ihr lästig -
zu frech, zu laut, zu fett?
Kann sein daß sie mich findet
mal eben so - ganz nett.
 
Was würde sie wohl stören
an mir und meiner Art?
Wie könnt` ich sie betören –
ganz lieb, ganz sanft, ganz zart?
 
Ihr wunderbares Lachen,
ihr Frohsinn, ihr Gemüt -
das pflanzte in mir Feuer
und - diese Pflanze blüht.
 
Sie ist von Grund auf ehrlich,
hab sie nie lügen hör´n,
ist schön, wie ihre Seele -
nichts würd´ mich an ihr stör´n.
 
Ich weiß, sie könnte teilen,
sie könnte mich versteh´n,
manch ungewöhnlich Wege
mit mir gemeinsam geh´n.
 
Vertraut wie keine and´re -
im Herz den gleichen Klang -
zwei Seelen so harmonisch
wie himmlischer Gesang.
 
Ich weiß genau - so ist sie.
Ich weiß - sie spielt es nicht.
Doch - ist es mehr als Freundschaft,
was mir lacht ins Gesicht?
 
Hab ihr so viel erzählet,
was ich so denk und will -
im Stillen mich gequälet -
verschwiegen was ich fühl´.
 
Bin and´ren nachgelaufen,
hab and´ren mich erwärmt
und von fiktiven Träumen
und Strohfeuern geschwärmt.
 
Ach könnt´ ich ihr gefallen,
was würd´ ich dafür geben -
all meine Liebe, mein Vertrauen,
Respekt, ja selbst mein Leben.
 
Ach könnt´ den Mut ich finden,
mein Hoffen ihr erklären,
mit schönen Worten binden
ihr Herz - an mein Verzehren.
 
Ach würd´ ich sie nicht lieben,
es fiele mir so leicht
sie lieblich zu umgarnen –
doch - wär´ es schwach und seicht.
 
Viel haben wir gemeinsam -
könnt´ meine Schwester sein.
Ach gäb´ sie mir ein Zeichen,
wie würde ich mich freu´n.
 
Oh Gott, sag wofür strafst Du
ein ehrlich liebend Herz.
Warum musst Du stets mischen
die Freude mit dem Schmerz.
 
Oh nein, ich werd´ es lassen -
und doch, ich muss es tun -
heut werde ich es wagen!
...ach nein - ich lass es ruhn.
 
Ich werde sie nicht fragen -
das raubt mir den Verstand.
Ich schenk´ ihr diese Verse
und leg´s in Gottes Hand.

 

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Der Seestern
Ralf Geisendörfer
 
 
Am Leuchtturm unterm Schaum der Wellen da suchte ich mit Kennerblick
nach Gold und Bernstein  in der Brandung, erhoffte meines Lebens Glück.
 
Mein Gang war lauernd  und begierig,  die Augen scharf, die Blicke stur,
den Kopf nicht wendend von den Schätzen und schönen Spielen der Natur.
 
Noch  ehe  ich  es   recht  begriffen   da  schnappte  gierig  meine Hand
nach einem Stein, von vielen and´ren und zog die Beute aus dem Sand.
 
Es war  kein  Stein,  so  regelmäßig  gezeichnet,  voller  Harmonie,
gepräget nach dem gold´nen Schnitte, so etwas schönes fand ich nie.
 
Es war  ein Seestern,  ohne Beine,  wohl mehr als tausend Jahre alt,
sehr wertvoll sicher, wie ich meine, doch war er herzlos, grau und kalt.
 
-
 
Ich konnt´ das Glück am Strand nicht finden, obwohl ich suchte ohne Ruh -
am Hafen  ist  es  mir  erschienen,  ganz  unverhofft  -  und  das  warst Du.
 
Du   bist   so   jung,     so  klug,     so   schön,     bist    wahrlich   kein   Fossil.
Nicht das Gesuchte - nein - das Beste schenkt, hast Du Glück, Fortunas Spiel.
 
Du bist nicht kalt, Du kannst noch lieben, Du liebst die Seele –  nicht das Geld.
Ich will nicht mehr den Strand durchsieben, will nur noch Dich auf dieser Welt.
 
Bist so lebendig,   kannst noch lachen,   sogar die Beine  sind noch dran.
Ich möcht Dich so gern glücklich machen, so - wie es nur die Liebe kann.
 
Sei unsre Lieb von ew´ger  Dauer,  so stark und schön wie dieser Stein,
drum sollst ab heute Du
für   immer   und   ganz
mein kleiner Seestern sein.

 

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Bonsai - Liebe
Ralf Geisendörfer
 
Ein Jahr ist schnell vorüber -
ich hab Dich nur noch lieber.
 
Und  sollt’   die  Liebe   einmal    klein,
nur  wie  ein Bonsai  –  Bäumchen sein,

 

soll sie doch grünen jede Stunde
und Du sollst hörn aus meinem Munde,

 

was ich Dir nur zu gerne sag:
 Ich lieb Dich   -   wie am ersten Tag !

 

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Letzte Liebe
Ralf Geisendörfer
 
 
Nicht meine erste Liebe,
das bist Du wirklich nicht,
doch bist Du meine letzte,
der sich mein Herz verspricht.
 
Nach Dir wird keine kommen,
auch keine nebenbei,
bist meine letzte Liebe,
dies schwör ich, hoch und frei.
 
Ich weiß nicht viel, nicht alles,
doch eins weiß ich genau,
ich werde nur noch lieben -
Dich, meine letzte Frau.

 

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Gedichte

Stand: 27.10.10