Buch: Die Brücke

 
 

Copyright: alle Rechte vorbehalten

Die Brücke,
und andere, zeitkritische Gedichte Ralf Geisendörfer, 9/2003
ISBN 3-925725-99-7 

 

Harteinband mit Prägung in Echtgold, 40 Seiten,
Auflage 500 St., A6 (10,5 x 15 cm)

 

Copyright: alle Rechte vorbehalten

 Das Buch ist leider vergriffen  - eventuell gibt es  2011/2012  eine 2. Auflage.

 

 

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Neue Deutsche Nationalhymne
Ralf  Geisendörfer
utopische Vision von Dez 1999
 
Hört ihr Völker was wir singen:
Wir sind stolz auf unser Land !
Was wir bauen und erbringen,
schaffen wir mit Herz und Hand.
Stets nach vorn, den Blick nach oben
niemals Zwietracht, Haß und Pein,
voller Mut den Kopf gehoben
das soll uns`re Größe sein.
 
Friede, Freiheit und Vertrauen
für die Menschen dieser Welt.
So, daß unser Volk mit allen
brüderlich zusammenhält.
Einig laßt uns sein – doch gegen
jede Form der Tyrannei.
Uns`re Herzen sei`n verbunden
allen Völkern – hoch und frei.
 
Niemand soll auf Erden hungern,
nie dem andern Sklave sein.
Wohlstand, Fortschritt, ehrlich Streben -
dafür stehen wir hier ein.
Einigkeit und Recht und Freiheit
dazu reichen wir die Hand.
Mögen alle Länder blühen,
blühe unser Vaterland.

 

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Miss Liberty
Ralf Geisendörfer
Feb 2000
Miss Liberty, du weinest -
ich hab’s genau geseh’n.
Ach wär’n es Freudentränen -
ich könnte dich versteh’n.
 
Doch trennen nicht die Wellen -
dich trennt ein Tränenmeer,
von deinen eig’nen Menschen -
sie brauchen dich so sehr.
 
Warum dreh’st du den Rücken,
so kühl und unverwandt?
Du siehst nie nach den deinen,
nie zu dem eig’nen Land.
 
Wer hat dich festgemauert,
dass du nie schaust zurück?
Dabei sollst du bewachen
auch deines Volkes Glück!
 
Miss Liberty, du weinest -
ich hab’s genau geseh’n.
Ach könntest du dich einmal
um deine Achse dreh’n.
 
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Millenium
Ralf Geisendörfer
März 2000
Herbei ihr Dichter und ihr Denker
die neue Ära bricht nun an.
Wer ist es der uns dies Jahrtausend
befördern und gestalten kann?
 
Wo sind die frohen, stolzen Verse
zu einer neuen, bess’ren Zeit?
Wer gibt uns wohl die neue Prägung,
zum Ziel der Zukunft das Geleit ?
 
Wischt ab den alten Staub aus Lügen
von dem zerborst’nem Bücherschrank.
Der braune Mief aus dunklen Zeiten
macht nur der Menschen Seelen krank.
 
Frisch auf, drum rühret alle Herzen
wohl mit der Wahrheit hellem Schein.
Als Patriot und Weltenbürger
sollt ihr uns eine Fackel sein.
 
Herbei ihr Dichter und ihr Denker,
ergreift die Feder, den Verstand,
seid ihr doch eu’rer Völker Lehrer
zu leiten sie mit Herz und Hand.
 
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Das Wunderelixier
Ralf Geisendörfer
März 2000
Ein weiser Mann einst sagte mir:
Es gibt ein Lebenselixier,
wonach es sich zu suchen lohne,
weil darin wahre Freude wohne.

Jedoch sei dieser teu’re Saft
von sonderbarer Eigenschaft,
weil er die Seele bringt zum Schwingen,
daß alle Himmelsglocken klingen.

Es ist ein wahrer Brunn’ der Jugend,
befördert Liebe, Glück und Tugend.
Es kühlt des Mörder’s wilde Wut,
ja löschet gar der Hölle Glut.

Der Menschheit Friede ist sein Lohn.
Der wahre Sinn der Religion.
D’rum findest du das Kreuz in allen
von seinen schönen Salzkristallen.

Du siehst, bist du erst mal am Ziel
ein sonderbares Zauberspiel:
Kommt dieser Saft dir zu Gesicht,
verliert dein Aug’ das klare Licht

Ich suchte und ich hab’s gefunden,
doch mußt’ ich erst die Welt umrunden,
in fremder Menschen Augen seh’n,
manch Abenteuer übersteh’n.

Nun weiß ich was uns glücklich macht,
was Licht bringt, selbst in finst’re Nacht,
wonach sich alle Völker sehnen:
Es sind ganz einfach - Freudentränen.
 
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Friedrich Wilhelm von Steuben
Ralf Geisendörfer
März 2000
Ausgezogen in die Fremde
nicht für Ruhm und nicht für Geld.
War´n es der Abenteuer Wege ?
Was trieb Dich in die andr´e Welt ?

Das Glück war Dir nicht hold zu hause -
die Heimat wurde Dir zu klein ?
Wie könnte sonst ein Mann wie Du,
auf diesen Wahn versessen sein.

Was kannst denn Du allein verrichten ?
Die Lage mehr als Hoffnungslos !
Nichts wird man mehr von Dir berichten -
was bleiben wird - ein Grinsen bloß.

Wohl mit den Größten aller Großen
willst Du Dich tapfer legen an ?
Das wird Dein Untergang besiegeln -
das hat so mancher schon getan.

Bist in die neue Welt gezogen
und hast geboten Deine Stirn.
Den Lauf der Dinge hast verbogen,
mit Herz und Seel´ mit Hand und Hirn.

Mit ed´lem Mut und Gottvertrauen
so stürztest Du Dich in die Schlacht.
Die Macht der Tyrannei gebrochen -
danach hat keiner mehr gelacht.
 
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Weiße Tauben

Ralf Geisendörfer

 Jan 2003
Für Frieden und Gerechtigkeit
seid ihr Symbol im weißen Kleid,
seit Noahs Arche wohlbekannt
auch Friedenstauben heut genannt.
 
Doch wart ihr je Opposition?
Habt ihr, als Dorn im Aug der Macht,
der Menschen Wohlfahrt jemals schon
auf einen grünen Zweig gebracht?
 
Habt ihr verhindert, dass die Huren
geplant den Aufprall der Kulturen?
Wo wart ihr mitten im Gefecht,
verstieß man gegen Völkerrecht?
 
Gemieden habt ihr jede Schlacht,
beim ersten Blutvergießen
euch schleunigst aus dem Staub gemacht,
so wie beim Taubenschießen.
 
Ihr habt uns gründlich reingelegt,
vertrauten wir euch auch,
vom ersten Schuss davon gefegt:
Ihr seid wie Schall und Rauch.
 
Der Löwe hat stets laut gebrüllt,
er war nie brav und bieder,
den Kopf nie in den Sand gesteckt
und auch nicht ins Gefieder.
 
Euch Tauben hat er ausgelacht -
schon immer wart ihr feig.
Nicht Frieden habt ihr uns gebracht -
nur einen grünen Zweig.
 
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Max Müller
Ralf Geisendörfer
 Okt 2000
 
Max Müller schaut am Abend Sport,
der neue Trainer ist schon fort,
ein andrer tritt an seine Stelle
und schwört, daß er solide sei.
Die Börse fiebert auf und nieder
zum Glück ist Max nicht mit dabei.
 
Max Müller sitzt am Frühstückstisch.
...wie gut, die Sahne ist noch frisch
obwohl sie nicht im Kühlschrank stand.
Er speist in Ruhe und wird satt.
Die Küchenuhr zeigt fünf vor sieben -
noch etwas Zeit für´s Morgenblatt.
 
Max Müller glättet sanft die Seiten:
mein Gott wie ändern sich die Zeiten -
schon wieder dreht man an den Preisen.
Der Kanzler lächelt – freundlich – stur :
Patentrezepte hat heut keiner -
drum braucht das Volk die Diktatur.
 
Max Müller schaut zur Küchenuhr
die Politik ist halt ´ne Hur´
das hab ich immer schon gewußt
uns Kleinen geht´s halt an den Kragen
ich kann ja sowieso nichts tun,
denn wer das Geld hat, hat das Sagen.
 
Max Müller spricht am Telefon:
„Ja doch, gehört hab ich es schon,
da gibt es eine Hand voll Leute
die wollen rütteln an dem Thron -
ich soll die andre Seite wählen ?
ach - was erreicht man damit schon.
 
Max Müller hört im Radio :
Die Wahl war eine große Show.
Die Neuen – vorher ohne Chance -
so knapp war es zuvor noch nie -
beinah wie Phönix aus der Asche,
warum – denkt er – versagten sie?
 
 Max Müller flüstert leis im Flur:
Zum Teufel mit der Diktatur,
denn heute gibt es keine Insel -
wir müssen ganz geschickt taktier`n
und raffiniert zum eignen Schutze,
mit Bauernschläue reagier`n.
 
Max Müller denkt : ich hab´s kapiert,
bevor man mich hier massakriert -
jawohl, der gute Mann baut vor -
ich werd´ mir einen Bunker bau´n,
mit allem was man halt so braucht
und Lebensmittel drin verstau´n.
 
Max Müller steht nun vor Gericht.
Der Staatsanwalt ist and´rer Sicht,
denn das Gesetz verbietet streng
Verweigerung der Ehrenpflicht,
auch Lebensmittel - Hamsterung
erlaubt der Staat dem Müller nicht.
 
Max Müller sitzt in seiner Zelle
und denkt sich Max, so sei doch helle,
versuch dich doch zu arrangieren
auch Schurken brauchen jede Hand
und schreibt: „Ich bin auf Eurer Seite !“
sogleich an seine Zellenwand.
 
Max Müller hört durch seine Gitter
ein Donnergrollen, wie Gewitter,
ein Beben rüttelt an den Mauern,
Sturm bläst in seine Augen Sand.
Ein kurzer Schmerz - es weicht das Leben -
die Kreide fällt ihm aus der Hand.
 
Max Müller liegt in seinem Grabe,
am Grabstein steht: Hier ruhet sanft....
 
doch drunter, wie von Geisterhand   -
da waren Worte eingebrannt :
 
„Umsonst war´n deines Lebens Tage -
Du  -  warst das Zünglein an der Waage !“
 

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Justizia
Ralf Geisendörfer
Sep 2000

 

Das höchste Gut auf dieser Welt ist Tugend und Gerechtigkeit.
Nur dies am jüngsten Tag noch zählt, nicht Lüge, Gier und Schlechtigkeit.
 
Drum wachst du stolz und hoch erhaben zu unsrer eignen Wohlfahrt Schutz,
stellst dich vor die Gesetzeslücke  ganz souverän ohn` Eigennutz.
 
Das letzte Wort sprichst du auf Erden, dem Argen gibst du seinen Lohn,
der Unschuld forderst du Vergeltung -   ganz ohne Anseh`n der Person.
 
Du mußt dich stets aufs neu entscheiden, mußt wägen zwischen gut und schlecht.
Was für dich zählt ist nur das wahre, naturgegeb`ne Menschenrecht.
 
Nur göttlich Rechte läßt du gelten, der Nächstenlieb` Exekutive,
im Zweifel für den Angeklagten, so lautet deine Direktive.
 
Die Augen hältst geschlossen du, die Ohren hast du offen -
drum Angst beschleicht mein armes Herz, macht meine Seel` betroffen.
 
Du kannst nicht lesen all den Text, siehst nicht im Aug` das Blitzen
siehst nicht den lügenroten Kopf und nicht der Hände Schwitzen.
 
Du siehst nicht der Intrige Spiel, hörst nur der Menschen Klagen -
man hat dir übel mitgespielt - lebst nur vom Hör`n und Sagen,
 
verläßt dich nur auf das Geschwätz, der üblen Rede schönem Klang
und alle Werte stehen Kopf, durch der Sirenen falsch Gesang.
 
Moral ? ein Wort fürs Märchenbuch ! Verkommen ist die Lage,
man mischt das Gute mit dem Bösen und legt dir`s in die Waage.
 
Das Unrecht läßt die Korken knallen,  die Wahrheit ist heut relativ
und fünfe läßt man grade sein hängt deine Waag` auch noch so schief.
 
Mit nacktem Fuß auf heißem Eisen läßt man dich tanzen wie zum Scherz,
mit deinem Schwert nach Fliegen schlagen und schert sich nicht der Seelen Schmerz.
 
Der Unschuld spaltest du den Schädel, ganz aus dem Gleichgewicht gebracht.
Halt ein !  Du bist doch eine Göttin -  sollst siegen in der heil`gen Schlacht.
 
Justizia, mach die Augen auf -  reiß ab vom Kopf die Binde,
sollst sehn wohin dein Schwert sich neigt:     Dies ist kein Amt für Blinde.

 

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Die Erbschaft
Ralf Geisendörfer
Mai 2000
 
Ich weiß, Du willst mir Gutes tun,
versüßen mir den Tag,
weil ich genau so denk wie Du
und Dich auch wirklich mag.

 

Doch warum quälst Du mir das Herz,
ernennest mich zum Erben ?
Ich müßte mich von nun an freu`n,
daß Du einst müssest sterben !

 

Mit Grauen schleichen sie sich ein - 
die undankbar  Gedanken
und nagen das Gewissen an -
des Lebens edle Schranken.

 

Wast Du meiner Seele an ?
Ich will Dich lebend haben -
und nicht an Deinem Untergang
und Deinem Tod mich laben.

 

Ihr Götter,  warum schüttelt ihr
der Tugend stolz Gebäude ?
Warum, sagt müßt ihr mischen stets
die Trauer mit der Freude ?

 

Verdammet mich nicht in den Kreis
der Geyer und Hyänen.
Gestattet mir an diesem Grab
der tiefen Trauer Tränen.

 

Verschone mich mit Gut und Geld -
der kalten Hände Gaben.
Gib denen, die schon lauern drauf -
ich will nichts davon haben.

 

Schenk mir nur einen Blumenstrauß :
Daran würd` ich mich freuen,
ein langes Leben ehrlich wünschen,
müßt nicht den Spiegel scheuen.

 

Den Samen würd` ich konservier`n
und dann  aufs  Grab Dir pflanzen,
anstatt mit falscher Trän` im Aug`
um`s goldne Kalb zu tanzen.

 

Die Blüten könnten trocknen mir
der ernsten Andacht Stunde.
wahre Trauer wär` in mir -
gehst Du aus unsrer Runde.

 

Oh Mensch, darum verrate nie
wer Dich einst wird beerben.
Nicht Liebe stiftest Du damit,
nicht Freude - nur Verderben.

 

Dein Tod kann uns nicht Glück bescher`n -
mit Gier in Trauermienen.
An Mammons herzlosem Altar -
laß klein`re Geister dienen.         
 

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Rübezahl
Ralf Geisendörfer
 Dez 2000
 
Im Walde zwischen Berg und Tal
begegnete mir Rübezahl,
mit schwerem Knüppel, rotem Bart -
vor Schrecken bleich stand ich erstarrt.
 
Doch fiel mir auf, sein schwerer Gang,
die Hand , die einst die Keule schwang 
hing schlaff und ohne mich zu sehn -
ging er vorüber - ließ mich steh´n.
 
„He du,“ rief ich mit banger Stimm
„bist du der alte Rübezahl,
der Herrscher der Gebirge hier ?
 - was  seh´  ich dich   so voller Qual ?“
 
 
„Ach Erdling,“ sprach er und blieb steh´n
„es ist gar eine schlimme Zeit -
ich kann es selber nicht versteh´n,
der Wahnsinn macht sich heute breit.
 
Vor Zeiten war ich noch ein Mann,
der  Erdgeist dieser Hügel.
Als edles Erz man hier gewann
da hielt ich noch die Zügel.
 
Ja, damals war der Berg noch frei,
den Bergmann konnt´ ich necken -
schon lang kam keiner mehr vorbei,
hier etwas zu entdecken.
 
Heut  strebt man nur noch nach Papier,
nach Zins und Dividende.
Der Lohn der Arbeit ist nicht mehr
das Rühren fleiß´ger  Hände.
 
Nicht Mannes- oder Geisteskraft
sich der Natur heut stellt -
es ist gewiß ein Auktionär,
wenn heut ein Hammer fällt.“
  
 
„Oh Rübezahl, ach glaube mir,
es geht uns ganz vorzüglich,
wir haben Geld, wir haben Spaß,
wir leben ganz vergnüglich.
 
Wir leben heute, leben jetzt,
was kümmert uns das Morgen,
drum scher dich nicht um das Geschwätz,
der alten Zeiten Sorgen.
 
Die Sonne scheint so wunderschön,
sie spottet jeder Klage -
warum sehnst du dich nach der Qual,
der Arbeit Untertage ?“
  
 
„Ach, Erdling, geh mir aus dem Weg,
du denkst nicht wie ein Riese,
stellst blind und taub dich, deinem Glück  -
genießest deine Krise .
 
Du bist es, was mich traurig macht,
erkennest nicht dein Los.
Die Wahrheit und das Ewige
verspottest du ja bloß.
 
Weißt nicht den innerlichen Sinn -
das Glück tut sich nicht auf -
verstehst des Wort´s  Bedeutung nicht -
des Bergmann´s Gruß   >Glück Auf< .
 
Willst schonen meines Berges Flur,
nicht graben in die Erd,
und scheuest die Konfrontation -
was - bin ich dann noch wert ?
 
Du - fragst nach meinen  Qualen mich ?
- du zwingst mich, daß ich heule -
ich werd es dir sogleich erklär´n -
ich such nur meine Keule !“

 

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Ausgebrannt

Ralf Geisendörfer

Juli 2003
Du fühlst Dich leer und ausgebrannt,
Du siehst den Weg und kennst das Ziel,
Du warst zu schnell, hast dich verrannt,
Du nahmst zu wenig - gabst zu viel.
 
Du hast mit allem Dich beladen,
Du nahmst die Mühsal gern in Kauf,
Du hast Dich immer mehr geschunden,
Du standest noch im Koma auf.
 
Du hast gezweifelt, hast gebetet,
Du hast zu jedem Gott gefleht,
doch jedes Körnchen, das Du sätest,
hat Dir der Wind davon geweht.
 
Du weinst beim Anblick dieser Affen,
die sich nur um sich selber dreh´n.
Du - liebst es Bleibendes zu schaffen,
zu klar kannst Du die Zukunft seh´n.
 
Du? - fühlst Dich leer und ausgebrannt?
Du? - hast geträumt vom Ende schon?
Dabei bist Du die schönste Kraft,
bist    „Die Elite“   der Nation!

 

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Hände
 Ralf Geisendörfer
Mai 2001 
 
Wenn die Not den Mensch ergreifet, Schmerzen plagen, Wunden glühn,
Todesängste sich verbreiten, Hoffnungen vorüberziehn,
 
Uhren immer lauter ticken, ausgezählt des Lebens Glück,
bringt kein Hoffen und kein Beten die Vergangenheit zurück.
 
Sehnsucht nach vergang´nen Tagen,  nach der Jugend frohem Spiel -
durch des Alters schwere Plagen rinnt des Lebens goldnes Ziel.
 
Krallt man sich an Augenblicke, in das Leere greift die Hand,
Herzschlag stiehlt die Zeit dem Leben, sieht die Schrift schon an der Wand,
 
fühlt sich schon dem Himmel nahe und die Angst brennt lichterloh -
abgeschlossen mit dem Leben - auf dem Weg nach Jericho.
 
*****
Kommt dann doch einer vorüber, sieht die Not und kennt das Leid,
scheuet Kosten nicht noch Mühe - lebet die Barmherzigkeit,
 
tastet sich mit kund´gen Händen,  rührt die wunde Stelle an,
kämpft entschlossen ohne Zögern gegen Zeit und Sensenmann,
 
kennt die Mittel und die Wege, krümmt den Finger, den Verstand,
greift dem Schicksal in das Ruder, messerscharf  mit sich´rer Hand
 
und bedenket alle Folgen, plant gezielt den gold´nen Schnitt
waget mutig ohne Zweifel - Nächstenliebe - Schritt für Schritt.
 
Wenn der Eid des Hypokrates wird zur freudenvollen Pflicht -
steht der Mensch als Abbild Gottes  vor des Cherubs Angesicht.
 
*****
Angst ist - was der Teufel atmet - frischer Mut fegt beide hin.
Geisteskraft mit warmen Händen - schenkt dem Leben neuen Sinn,
 
fiebernd zwischen Tod und Leben, selbstvergess´ner Tatendrang,
Freudentränen munter fließen – wenn das große Werk gelang.
 
Wenn man selbst das Zittern spüret, die Probleme selbst touchiert,
Pflicht und Liebe heiß verschmelzen,  ist vollbracht was man studiert.
 
Keiner kann es je vergelten, wenn in abgrundtiefster Not
Menschenhände liebend handeln, selbstbewußt, als wär´n sie Gott -
 
streicheln Zukunft und verhindern des Verderbens Resumé :
Hände um´s Skalpell gefaltet - das ist  wahre Agapé.

    (Agapé = Nächstenliebe) 

Als Dankeschön für alle die Dienst am Menschen tun.

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Die Brücke

Ralf Geisendörfer

Jul 2001 - Mai 2003

 FRUGIFEROS CELERET MOTUS IMMOBILIS IPSE

 Selbst unbeweglich, möge sie nützliche Bewegung beschleunigen

Inschrift Göltzschtalbrücke Mylau

 

 

Wie herrlich ist des Waldes Fülle, wo ungestört der Vogel spielt,
naturberauscht, in sanfter Stille, der Wandrer sich die Füße kühlt.
 
Wo könnte es noch besser sein, vergessen alle Ungemach,
wo nichts dem Seelenfrieden fehlt in Grases weichem Schlafgemach.
 
Wie lieblich ist das Spiel der Blätter, dazwischen glitzert Sonnenlicht -
des blauen Himmels warmes Wetter:
Es ist so schön!   - drum geh noch nicht ...
   
*
  
Talwärts von des Berges Höhen fließt in munterem Erguss
spielend, plätschernd, ganz allmählich der Gebirgsbach bis zum Fluss.
 
Doch welch trügerisch Idylle?   Oh, welch unheilvoller Kummer?
Wehe, wenn Naturgewalten sprengen der Romantik Schlummer!
 
Wogend, rauschend, mit Getöse sich die ungestüme Kraft,
wild, im Kampf der Elemente rücksichtslosen Platz verschafft,
 
reißt mit gnadenlosem Streben und mit schreckensvoller Pracht
mit sich nieder Weg und Stege daß es gurgelt, schäumt und kracht
 
und zerschneidet jede Bande, die das Leben sich erdacht,
teilt und herrscht – brutal - mechanisch - nur allein auf sich bedacht.
 
*
  
Die Tiere seh´n das Unglück nah´n, sie weichen dem Verheeren:
Dem Argen geht man aus dem Weg - was bringt es sich zu wehren?
 
Jedoch der Mensch,  hat er Verstand,  beobachtet das Treiben,
noch schwankend zwischen Mut und Angst - zieht er es vor zu bleiben.
 
Und staunt - und sinnt im Geiste nach - und wünscht des Unheils Lücken,
der Katastrophe Ungemach,  alsbald zu überbrücken.
 
Noch zögert er und wartet ab, doch nachts in seinem Traum
sieht er den unterspülten Fels, den umgestürzten Baum.
 
Und er begreift das Synonym, erkennt des Wissens Spur.
Er untersucht und er durchschaut die Spiele der Natur.
 
Und es ergreift ihn Euphorie, die Ohren taub für Spötter,
die größte Last wird im zur Lust, vergessen alle Götter.
 
Und ohne Zögern gäbe er des Paradieses Glück,
doch selbst um´s Leben niemals mehr den Apfel je zurück.
 
Die Wissenschaft
ist eine Kraft,
die Zweifel sucht
und Wissen schafft.
  
*
  
Macht euch die Erde Untertan, gebt Platz den Flügelwänden,
der Widerlager Untergrund muss tragen beide Enden.
 
Bewehrungseisen flechtet nun, der Schlucht zum Trotz, und windet
den Baustahl in die Konstruktion, dass sie auch trägt und bindet.
 
Schalt ein das starke Fundament,  die Lager und die Stützen,
prüft kritisch ob mit Präzision die Ankerstangen sitzen,
 
Nun füllt die Schalung mit Beton, die Mischung gut verdichtet,
die Felder leget auf und spannt, die Kappen mit errichtet.
 
Der Kettenlinie edler Schwung dem Bauplan liegt zugrunde.
Der Kräfte Durchlauf wirket nur mit der Natur im Bunde.
  
***
  
Zwei Ufer, zwei  Wege verbunden, noch gestern getrennt und entzweit,
gefährliche Mühsal entschwunden, der Weg zueinander bereit -
entdeckte Gemeinsamkeit.
 
Es waren zwei Königskinder, die haben einst bitter geweint,
die Sage uns schmerzt nicht minder: Doch heut wär´n sie glücklich vereint!
 
Ein Handschlag, ein Lächeln, zwei Blicke:
Verwirklichte Theorie verbindet zwei Lebensgeschicke
- respektvolle Sympathie.
 
*

 

 Vollendet das Werk, ausgezahlet der Lohn, die Bauleute ziehen nach hause.
Im Kreise der Lieben da warten sie schon, verdient hat ein jeder die Pause.
 
Obwohl es nicht leicht ist alleine zu sein, die Liebe vertraut ohne Klagen
und da es geschuldet der höh`ren Idee - geduldig die Trennung ertragen.
 
Das Gold, was den Finger verzieret, ward niemals als Fessel gedacht -
doch manchen schon hat es verführet, den Liebsten zum Sklaven gemacht.
 
Nicht klammern soll es, nicht erdrücken, nicht blenden in schillerndem Glanz,
nicht jammern soll es - nur beglücken, sich hinwenden mit Toleranz.
 
Der Eigennutz kennt kein Verzeihen, will immer den größten Teil.
Der Selbstsucht verderbliches Freien vergiftet selbst Amors Pfeil.
  
*
 
Was tun:
- wenn dem liebenden Bunde der  Zweifel  den  Mut  vergällt?
- der Blick in verworrener Stunde voll Schmerz in den Abgrund fällt?
- der Mensch in verbitterter Regung des Bauwerkes Absicht verfehlt?
 
Noch nie war es nützlich  Bewegung,
wenn jemand am Boden zerschellt!
 
Wer kann schon sein Schicksal verdammen, obwohl die Poente noch fremd,
im Frühling des Lebens entflammen den Wunsch nach dem letzten Hemd?
 
Wer könnte die Note verfluchen, bevor er das Lied je gehört?
Warum nur den Untergang suchen - vom eigenen Mitleid betört?
 
Wie kann man sein Ohr jemals leihen  der Dummheit satanischer Brut?
Den Teufel wohl selbst würd´ es reuen – dafür wär´ selbst ER sich zu gut!!!
 
*
  
Nur die Freude stillt das Klagen, Freude ist des Lebens Meister,
Freude muss den Ton anschlagen - sie vertreibt die dunklen Geister.
 
Freude nur beseelt das Leben - sie allein macht  auf das Glück!
Freudig, lasst uns Freude geben - nur geschenktes kehrt zurück!
 
Bis du schwarz wirst, kannst du warten, auf des Echos Widerhall -
sprießt nicht erst aus eignem Garten  freudenvoller Jubelschall.
 
*
 
Besitzstand nicht fördert die Liebe, des Herzens gemeinsamer Ton
entwickelt die zärtlichen Triebe - der Seele Synchronisation.
 
Das Trachten, das Tun und das Denken verbindet der Liebenden Schritt -
das Feuer der Jugend zu lenken.  Kein Zweifel, das Auge liebt mit!
 
Doch soll nicht der Trieb der Begierde, verlocken die zitternde Hand -
wie süß auch die äußere Zierde - nur Inhalte haben Bestand!
 
Der Liebe verknüpfende Bande, so zart wie aus Seide gewebt,
zu halten ist sie nur imstande, wenn beides nach Einigkeit strebt.
 
Und läßt du es locker zuweile, so bleibt die Verbindung stumm -
doch ziehst du zu stark an dem Seile, dann wirfst du den Anderen um.
 
Gemeinsame Wege begründen, mit freudigem Schwung voller Mut
das Schöne am Guten entzünden, der Seelenlieb zärtliche Glut.
 
Den Kampf der Geschlechter vergessen - geschlachtet die heilige Kuh -
aufs Wohle des Liebsten versessen. Die Liebe erlaubt nur das Du!
 
Zwei Herzen, zwei Menschen verbunden, vereinigt in Freud wie in Leid,
in Fürsorge liebend umwunden, gemeinsames zärtlich Geleit -
gelebte Unsterblichkeit.
 
***
   
Heut wird mancher Bürger wohl meinen: „Welch Unfug die Ohren mir quält!
Da gab es doch schon mal so einen - von Nächstenlieb hat er erzählt.
 
Sein Freundeskreis hat ihn verlassen, der Mittelstand hat ihn verflucht,
Tiberius befahl ihn zu fassen, der Rest hat das Weite gesucht.
 
Im Garten bekam er das Flennen - ein Freund ihn verriet für Geld -
sein Bester wollt ihn nicht mehr kennen - der Mob hat ihn ausgezählt.
 
Ja, nicht mal sein Kreuz konnt´ er  tragen, selbst dies trugen sie ihm noch nach -
ein klassischer Fall von Versagen, sehr schnell ihm das Auge wohl brach.
 
Die Sage, er wär´ auferstanden - wohl reine Phantasie,
sie stammte von seinen Bekannten – Verschwörungstheorie!“
 
Doch heute, nach zweitausend Jahren, geht auf noch was er uns gesät:
Despoten selbst mußten erfahren der Nächstenlieb Genialität!
 
Ideen -  die kann keiner töten, allein der Versuch wird zur Qual,
erschlägt man erst ihre Propheten - vermehren sie sich ohne Zahl.
 
Ein Menschenkind könnt ihr belügen nur kurz, selbst in göttlichem Namen,
doch niemals stets alle betrügen auf Immer - in Ewigkeit   -  Amen!
 
*

 

Aus Lug und Trug, nach kurzer Weil,
wird Zwietracht, Streit und Vorurteil.
 
Der Lüge Last die Brücke bricht ,
denn was betrügt - verbindet nicht!
 
Ist der Betrug auch nur zum Teil,
je spitzer noch der spaltend  Keil.
 
*

 

Der Wurm um den Haken verleitet den Fisch -
in Wahrheit verpackt wirkt das üble Gemisch.
 
Ja selbst im Schweigen lebt das Lügen, doch in letztlicher Instanz
kann eines nur auf Dauer siegen:  Argument statt Ignoranz!
 
So lange die Lakaien schweigen, sie sind des Unheils Lieferanten,
der Mensch als Sklave muss verneigen sich vor des Fortschritts Flagellanten.
 
Vergeblich wird der Glaube an Vergebung ihrer Schwächen,
ganz plötzlich wird es sichtbar dann, wenn alle Dämme brechen.
 
Die böse Tat in Inzucht zeuget den Geist, der sie einst selbst gebar -
wer sich den dunklen Mächten beuget, dem wird der schlimmste Albtraum wahr.
 
*

 

Wie seid ihr so tief nur gefallen, ihr winzigen Seelen im schwarzen Sarong,
der Apokalypse Vasallen - verbrennt uns das Mädchen von Orléans?
 
Aus jeder Illustrierten hetzen der weißen Westen braune Spitzen,
den blutverschmierten Dolch noch wetzen, der Flammenkreuze Zipfelmützen.
 
Apart fühlt sich das blaue Blut,  Berufsstand:     „Diplomat“,
beherrscht noch in der Hölle Glut politischen Spagat.
 
Des Volkes Wohl ist die Devise, doch zur Karriere auf die Schnelle
wird akzeptabel jede Krise, die Hochkultur der Sollbruchstelle.
 
Mit leichter Hand wird eingespart: 
- des kleinen Bürgers Lohn,
   - die Existenz der eignen Art,
- Gemeinwohl der Nation.
 
                            Doch Austerität*  ist nicht mehr als Betrug, nur Wachstum vermehret die Saaten,  (* extreme Sparpolitik)
im Kampf gegen Hunger durch Nahrungsentzug - zerfallen selbst blühende Staaten.
 
Manch Reich verdarb in kurzer Zeit, es waren ihrer viele -
wer teilt herrscht nicht in Wirklichkeit - es sind nur Brot und Spiele!
 
Dem Marcuslöwen fletschend Zahn, zu stumpf für das Elysium,
sei nicht gegönnt der Friede für sein Sünden-Evangelium!
 
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Nach Prinzipien lasst uns streben, Schluss mit der Inquisition,
Zukunft kann es einzig geben – treibt den Menschen die Vision!
 
„Bauet Städte,  spannet Brücken,  hauchet ihnen Leben ein,
meißelt freudiges Entzücken in den grauen, kalten Stein!
 
Übet redlich euch im Fleiße, liebet, lachet und verzeiht!
Schwarze, Gelbe, Rote, Weiße - strebet nach Glückseeligkeit!
 
Lasset Flügelpferde steigen aufwärts in des Himmels Wogen,
friedlich eint der bunte Reigen farbenfroher Regenbogen!“
 
Auf der Brücke festem Stande fliesset nützliche Bewegung,
staunt mein Blick in blühend Lande,  alles strebt in fleißger Regung.
 
Auf die Menschen schau ich nieder, innig liebend Hand in Hand,
unbeschwerter Kinderlieder freudenvolles Wunderland.
 
Länder, Völker und Kulturen stets zum Dialog bereit -
schneller drehen sich die Uhren auf dem Weg in bessre Zeit.
 
 
Zweier Hügel, zweier Seelen, zweier Völker schönsten Traum -
Brückenbogen stolz vermählen.
Gutes muss stets allen nützen - hoch erhabne, feste Stützen
überwinden  Zeit und Raum.

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Gedichte

Stand: 27.10.10